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Wirtschaft

30.10.2017 - Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsstruktur

Nicaragua ist ein Agrarland mit schwacher industrieller Basis. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 2.200 USD pro Jahr ist es das zweitärmste Land Lateinamerikas nach Haiti. Im Human Development Index der Vereinten Nationen belegte Nicaragua 2017 Platz 124. Die Erfolge bei der Armutsbekämpfung in den vergangenen Jahren drohen allerdings im Zuge der Krise seit April 2018 wieder eingebüßt zu werden.

Anders als in der 1980er Jahren setzte die zweite Regierung von Präsident Daniel Ortega seit 2007 auf eine unternehmerfreundliche Politik und enge politische Abstimmung mit dem Privatsektor. Zwar ist die Zentralbank politisch nicht unabhängig, wird aber technokratisch geführt und ist in erster Linie auf Geldwertstabilität und einen soliden Finanzsektor fokussiert.

Die Stromversorgung hat sich seit ihrer Krise zu Beginn des Jahrtausends stabilisiert – dennoch gehören kürzere Blackouts weiterhin zum Alltag. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist auf über 50% gestiegen und soll nach Plänen der Regierung bis 2030 auf 75% gesteigert werden.

Internationale Verflechtung

Wichtigste Ausfuhrgüter sind mit rund 40% landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Kaffee und tropische Früchte. Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren in ausgedehnten Freihandelszonen zahlreiche beschäftigungsintensive Industrien angesiedelt, die von den niedrigen Lohnkosten in Nicaragua profitieren. Textilien und Elektrotechnik aus diesen Produktionsstätten machen ein weiteres Viertel der Exporte aus.

Durch das chronisch hohe Handelsbilanzdefizit ist Nicaragua dringend auf Deviseneinnahmen aus Tourismus, Entwicklungszusammenarbeit und Rücküberweisungen von Nicaraguanern im Ausland angewiesen. Infolge der Krise sind diese sogenannten „Remittances“ oder „Remesas“ zwar gestiegen, dem stehen allerdings starke Rückgänge bei Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit entgegen.

Der mit Abstand wichtigste Handelspartner sind die USA. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nicaragua lag 2017 bei 125 Mio. Euro mit annähernd ausgeglichenem Saldo.

Die größten deutschen Unternehmen vor Ort sind der Autozulieferer Dräxlmaier und der Schokoladenhersteller Alfred Ritter GmbH. Die deutsch-nicaraguanische Handelskammer zählt über 50 Mitglieder.

Aktuelle Wirtschaftslage

Die nicaraguanische Wirtschaft hatte sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt mit Wachstumsraten von rund  5% pro Jahr. Die andauernde politische Krise seit April 2018 hat jedoch auch die Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem Tourismus, Handel und Investitionen sind betroffen. Dabei sind bereits über 100.000 formelle Arbeitsplätze und womöglich das Dreifache an informellen Jobs weggefallen. Für das laufende Jahr rechnet die Zentralbank mit Nullwachstum, unabhängige Experten sogar mit einer Rezession von -2% bis -5% des BIP.

Die Zentralbank konzentriert sich mit restriktiver Geldpolitik auf die Verteidigung des Wechselkurses, da vor allem in den ersten Monaten größere Summen an privaten Deviseneinlagen abgezogen wurden und die Währungsreserven unter Druck geraten sind. Mit diesem Vorgehen soll das Ziel erreicht werden, den Crawling Peg der Landeswährung Cordoba an den US-Dollar mit einer jährlichen Abwertung von 5% zu erhalten. Das Inflationsziel für 2018 liegt bei 7-8%, allerdings hat sich die Teuerung im Zuge der Krise verlangsamt.

Vor der Krise genoss Nicaragua im regionalen Vergleich den Ruf einer soliden Geld- und Fiskalpolitik. Sorgen bereitete dagegen das defizitäre Sozialversicherungssystem, dessen gescheiterter Reformversuch im April 2018 Auslöser der Proteste gegen die Regierung war. Der folgende Konjunktureinbruch zwang die Regierung zu drastischen Ausgabenkürzungen. Das vormals gute Verhältnis zwischen Staatsführung und Unternehmerschaft ist ebenfalls nachhaltig beschädigt, seitdem sich der Unternehmerverband öffentlich für vorgezogene Neuwahlen ausgesprochen hat. Die Regierung beschuldigt ihrerseits einen Teil der Unternehmerschaft, sich an einem gewaltsamen Umsturzversuch beteiligt zu haben. 

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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